27 Feb

Reinhold Adscheid // Nachtschwärmer // 28.02. – 13.03.2015

Nachtschwärmer

 

Künstler:     Reinhold Adscheid

Vernissage:     28.02.2015 um 19:00 Uhr

Dauer:     28.02. – 13.03.2015

Dies ist die zweite Einzelausstellung, neben drei Gruppenausstellungen von Reinhold Adscheid in der Galerie Display.

Und diesmal stellt er sich für die gezeigten Werke nächtens vor Tankstellen, fotografiert diese und es entstehen auf zweidimensionale Flächen gebannte dreidimensionale Lichtskulpturen, in denen sich der Betrachter in einer vierdimensionale Raum-Zeit-Blase wie in einem Raumschiff wieder findet. Diesen faszinierenden Prozess entfacht Reinhold Adscheid, promovierter Teilchenphysiker und Astrophysiker, nicht ohne philosophischen Hintersinn.

Immer ausgereifter entwickelt er dabei eine spezielle Technik der Mehrfachablichtung vor dem Hintergrund seiner selbstgestellten Frage: Wie sähe die Welt aus, wenn wir sie aus verschiedenen Positionen in Zeit und / oder Raum gleichzeitig sehen könnten?

Warum „Tankstellen bei Nacht“ , um sich dieser Frage anzunähern? Aus dem dunklen Meer der Nacht erwachsen diese Lichtskulpturen als wärmende Inseln und strahlende Ruhepunkte. Dabei imaginieren sie unsichtbar die Unrast, Geschwindigkeit, Hektik der Strasse. Der rasende Autofahrer wird von zusammenfliessenden Lichtschalen angelockt, die in einigen Werken gleich einem Haifisch ihr Riesenmaul aufsperren. Er rollt ein und stoppt, um aufzutanken, einen Kaffee zu trinken, Nachrichten auf dem „mobile“ zu checken oder für einige Minuten durch eine neue virtuelle Wirklichkeit zu reisen.

Tankstellen bei Nacht sind statisch ruhende Lichtskulpturen, die dem Nachtschwärmer mannigfache Funktionen der Mobilmachung bieten. Dabei wirken die Lichtwerke selbst wie schillernde Nachtschwärmer. Unter dem Lichtdach erfährt der rastende Autofahrer, durch den Stillstand des Automobils immobil geworden, das Phänomen maximaler körperlicher und geistiger Beweglichkeit, so wie wir uns in dem Moment höchster automobiler Mobilität bereits unserer körperlichen und geistigen Unbeweglichkeit nähern müssen. Diese Dialektik als Hin und Her zwischen Mobilität und Immobilität integriert körperliche und mentale Bewegung. Es entsteht ein Spannungszustand zwischen diesen beiden Vorgängen. Der an der Tankstelle anhaltende Autofahrer hat, aufgrund der Entwicklung einer zunehmenden Netzwerkgesellschaft, einen immer grösser werdenden Handlungsspielraum an Entscheidungsmöglichkeiten. Im Moment der Nichtbewegung kann ein Mensch mental höchst beweglich sein. So wie der rasende Porschefahrer mit 180 km/h zwar schnell, aber kontinuierlich konzentriert auf Gefahrensituationen achten muss und mental einspurig eingeschränkt auf dem Weg sein kann.

Dies alles und viele Gedankenspiele mehr bieten „profane“ Tankstellen derart in Lichtskulptur gesetzt wie in den „Nachtschwärmern“. Denn alle Bewegung fliesst als maximale Möglichkeit von Mobilität – Immobilität gleichzeitig in einem Punkt zusammen. Die vierdimensionale Raum-Zeitblase leuchtet weit die Zukunft aus.

Text: Martina Schleppinghoff

13 Feb

Alin Klass // same same but different // 14.- 25.02.2015

2016-01-17 14.10.48

 

Künstler:     Alin Klass

Vernissage:     14.02.2015 um 19:00 Uhr

Dauer:     14.02. – 25.02.2015

Die Galerie Display präsentiert eine Einzelausstellung von Alin Klass, einer Künstlerin, die sowohl an der Alanus Hochschule (Alfter bei Bonn) als auch an der ABK-Maastricht ein Studium der Malerei abgeschlossen hat.

Alin Klass zeigt in dieser Ausstellung Zwillingspaare, die mit den Gesichtern dem Betrachter und nie einander zugewandt sind. Aufgrund von Fotovorlagen wird die Zwillingsthematik vor schlichtem, fast formlosen Hintergrund als Identitätsfrage malerisch umgesetzt. Nicht wie in der klassischen Portraitmalerei das ganz persönliche Wesen, das typische Merkmal des jeweilig Dargestellten tritt in den Vordergrund, sondern es geht um die Frage nach der Persönlichkeit, das bedrohliche Infragestellen von Identität, durch das sehr Ähnliche. So wirken die Zwillingspaare – obwohl sie sich an den Händen halten – seltsam beziehungslos. Selbst wenn sie sich um die Schwester oder den Hund gruppieren, fehlen ihrem Gestus Zuneigung und Zuwendung. So verwandt, so ähnlich die Zwillingspaare einander auch sind, strahlen die Bilder eine gewisse Distanziertheit und Kühle aus.

Ein distanzierter Blick, der sich erklärt, wenn man die Künstlerin nach ihren Motivvorlagen befragt. Zum einen ist es das Komplizierte der familiäre Verbundenheit, in denen Begriffe wie Familienmuster, Geheimnisse, Prägungen, Komplizenschaft eine Rolle spielen. Als einander bedingende Schicksalsgemeinschaft ist die Familie ein Bündel äusserst komplex verknäulter Fäden. „Die Familie ist eine Schwarze Kiste. Sie kann nicht restlos analysiert werden.“ (Vilem Flusser)

Aber auch die ideologisch belastete Zwillingsforschung, hier vor allem im nationalsozialistischen Deutschland, spielt in die Bildwelten mit hinein. So beschäftigte sich Alin Klass mit dem grausamen Wirken des Lagerarztes Dr. Josef Mengele von April 1943 bis Januar 1945. Sein Laboratorium war das KZ Auschwitz-Birkenau. Er separierte Kinderzwillingspaare für seine perfiden Experimente, um herauszufinden, wie das Erbgut gezielt zu manipulieren sei. Schätzungen gehen davon aus, dass von rund 1500 Zwillingspaaren lediglich zwischen 80-100 Zwillinge Auschwitz überlebt haben.
Diese und andere Bilder wie der Film „The Shining“ von Stanley Kubrick oder die Realität lebender siamesischer Zwillingen als einer schicksalsgegebenen Lebensweise, in der zwei unterschiedliche Identitäten fest miteinander in einem Körper leben, bewegen Alin Klass.

Eine weitere Variante ist die Vorstellung dass jeder sein eigenes Zwillingsbild in sich trägt – wie es in den Doppelbildern von Margret Thatcher und Josef Mengele sichtbar wird. Der Zwilling kann die andere Seite in uns verkörpern, das Gute wie das Böse, das Yin wie das Yang.

So vielfältig die Aspekte sind, die Alin Klass zu ihrer Malerei von Zwillingsbildern führt, so vielfältig auch die Fragen, die sie in ihren Bildern aufwirft. Was bleibt vom Ich ohne Beziehung? Wird der Mensch im immer beziehungsreicheren (vor all auch digitalen) Netz des Gesellschaftsspiel zunehmend beziehungsloser? Sind wir freier und einsamer denn je? Was bedeutet Schicksal, was Familie, was Geschwisterlichkeit? Fragen, die einmal gestellt, unbewusste Ängste auslösen können. Je augenöffnender unser Blick auf diese Bilder, umso näher werden wir uns.

Text: Martina Schleppinghoff

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