29 Feb

Elmar Diks / Priorits / 12.03. – 01.04.2016

 

Vernissage:     12.03.2016 um 19:00 Uhr

Finissage:      01.04.2016 um 19:00 Uhr

Dauer:            12.03.2016 – 01.04.2016

Zur Finissage von Elmar Diks Ausstellung – Priorits – , wird der Kölner Schriftsteller Stefan Albus, aus seinem frisch erschienen Buch – Jacobsweg – und dann ? – Vorlesen. Nachdem Stefan Albus in Deutschland 400 Kilometer gepilgert ist und ein erfolgreiches  Buch darüber geschrieben hat, stellt er hier die Fragen: Was passiert mit den Menschen,  nachdem sie ihren Pilgerstab zu Hause in die Ecke gestellt haben? Wie verändert eine Pilgerreise das eigene Leben?


Zum Buch von Stefan Albus & Der Blog von Stefan Albus

 

Bekanntes neu erschlossen.


Auszüge aus drei Werkgruppen stellt Elmar Diks in seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Display vor. Gruppen, die unterschiedliche, aufeinander aufbauende Aspekte seiner künstlerischen Entwicklung repräsentieren. Schroffe Kontraste kennzeichnen den Stil der „Black & White“ Serie. Harte Abstraktion bringt verdeckte Zeichnung hervor und leitet so das Sehen in weite Dimensionen: Aus Asphalt-Details kristallisiert sich die Unendlichkeit eines Sternenhimmels heraus, wie sie von Weltraum-Teleskopen gesehen sein könnte. Elmar Diks öffnet mit seinem Verstehen das Erkennen der Faszination solcher Blicke, die sich erst im wirklichen Hinschauen auf das sonst als alltäglich vermeintlich Bekannte erschließen und in eine elementar bedeutsame Erlebnistiefe leiten.
Geradezu üppig dagegen die Farb- und Formensprache der „Webcam“-Serie des Künstlers. Von weitem noch als überzeichnete Geste eines Fotos verstanden, enthüllt sich bei Annäherung eine reichhaltige Detailwelt, die an Gemaltes erinnert. In fließenden Feinstrukturen interpretieren atmende Liniengeflechte in amorphen und zugleich rhythmischen Gesten die Formen des Abgebildeten. Sie bilden kaskadierend Grundmuster aus abgerundeten, gebrochenen Polygonen oder Rechtecken. In jeder Kaskade entsteht eine neue Brechung der verstehbaren jeweiligen Grundform. Dabei transformiert sich das Linienwerk immer wieder wie magisch zu Clustern aus kleinteilig amorphen Mikrozellen, die wie fossile, kristalline Gebilde geradezu aufblühen. Solches Geflecht aus Zeichnung gliedert Elmar Diks durch zusammenfassende kontrastierende Konturlinien zu größeren Bildbereichen. Sie folgen der Form einzelner Objektzusammenhänge des Bildes, bringen diese ins Fließen: Gerade Linien lösen sich in wie von Fäden geformte weiche Gebilde auf, bilden so ein Äquivalent zur Mikroebene der Liniengeflechte. Vorläufer seiner Webcam-Bilder sind Landschaftsaufnahmen, die er stilisierend ebenso interpretiert.

Solch ein Umgang mit Landschaft kennzeichnet auch einen wichtigen Aspekt seiner neuen Werkgruppe „Gaps & Backgrounds“, der dritten Serie der Ausstellung. Die Formulierung „Zwischenräume und Hintergründe“ weist dabei sowohl auf eine gestalterische Herangehensweise als auch auf Bedeutungszusammenhänge hin:
Ausgangsmaterial der wiederum digitalen Interpretation sind hier historische Kunstwerke aus z.B. der Renaissance, in denen symbolisch bedeutungsvolle Figurengruppen vor imaginären Landschaften Bedeutungsträger sind. Diese Bilder entkernt Elmar Diks, indem er zunächst die Figuren herausnimmt. Die verbleibenden
Landschaften überzeichnet er mit seinen auch in den „Webcam“-Bildern verwendeten Stilmitteln. Die frei gewordenen Bereiche füllt er mit neuem, anderen Material – anderen Bildern der Kunstgeschichte oder eigenen Arbeiten –, das er zuvor einem entsprechenden Umdeutungsprozess unterworfen hat, wodurch eine
neue Ganzheit entsteht. So macht Elmar Diks eine Metapher erfahrbar: „Wir alle haben in unseren Vergangenheiten unseren eigenen Background. Aus dieser Prägung gestalten wir in Kombination mit Neuem und neu Erlebtem unser eigenes Leben, unsere Individualität.“
Um in seinen Bildern das Schweben zwischen Abbildung und innerem Bild zu erreichen, hat Elmar Diks eigene digitale Verfahren zur gestalterischen Verdichtung des Ausgangsmaterials entwickelt. In der entstehenden Distanz zum Abgebildeten werden Dimensionen von Wirklichkeiten hinter den Wirklichkeiten auf eine irrational ganzheitliche Weise wirklich, die neugierig macht, anzieht und berührt.

www.art-diks.de
Text: ©2016 Klaus Damm

10 Feb

Reinhold Adscheid / Transpositionen / 20.02. – 09.03.2016

adscheid februar front

Vernissage:     20.02.2016 um 19:00 Uhr

Finissage:     09.03.2016 um 19:00 Uhr

Dauer:     20.02. – 09.03.2016

Die vierte Dimension
Unfotografierbare Ansichten aus fotografierter Zeit
„Wie sähe die Welt aus, wenn wir sie aus verschiedenen Positionen in Zeit und/oder Raum gleichzeitig sehen könnten?“
Reinhold Adscheid beantwortet diese Frage mit einer Gestaltungssprache, die den Betrachter in eine „vier-dimensionale Raum-Zeit-Blase“ führt: Nicht die Abbildung eines räumlichen Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt wird in seinem Schaffen zum Kunstwerk. Sondern die Zeiterfahrung in der dynamischen Integration wechselnder Perspektiven des Objektes, dichte Zeitstreifen, die – zu einem virtuell-realen Irrgarten verbunden – den Betrachter einen Weg zu seinem Erleben finden lassen.
Es sind keine poetischen Bilder, auch keine Bilder, die Geschichten erzählen, sondern es sind Erlebnisräume, die in ihren Zeitsprüngen Räume schaffen, welche die Menschen dazu öffnen, sich ihrer eigenen Geschichten bewusst zu werden und von diesen zu erzählen.
In Reinhold Adscheids Werk fließt philosophische Reflektion ebenso ein wie sein Hintergrund als promovierter Teilchenphysiker, der sich bereits als Jugendlicher mit der speziellen Relativitätstheorie auseinandersetzte. Eine Vielheit von Gleichzeit-Zuständen aus unterschiedlichen Perspektiven ist für die meisten Menschen unvorstellbar: Wie kann ich beispielsweise einen Baum von vorne und von hinten gleichzeitig sehen? Dennoch bewerte ich vor meinem Bildungshintergrund Wahrgenommenes, als ob solche Gleichzeitigkeit möglich sei: „Welchen Einfluss hat dieser Bildungshintergrund beim Betrachten der Realität?“
Reinhold Adscheid pointiert diese Fragestellung in seinen aktuellen Serien über das Bildgeschehen hinaus auch im Umgang mit Wortgebilden. „Hasna-Hohhcuas“ als eine vieler möglicher Buchstaben-Permutationen: Welche Entfernung meines Bildungshintergrundes zu dem Begriff braucht es, um daraus nicht die Urform zu denken, sondern irritiert nur eine semantisch nicht besetzte Buchstabenfolge zu erkennen? Warum kann ich Dinge erkennen, obwohl sie bildlich wie textuell so sehr „verzerrt“ sind. „Wenn ich also diesen Text zu einer ‚richtigen‘ Schreibweise erkennen kann, wenn ich also dieses verzerrte Bild des Hauses zu dem Hansa-Hochhaus machen kann, warum stelle ich nicht gleich in Frage, ob das Haus denn wirklich so aussieht, wie ich es ‚sehe‘?“. Was letztlich zu der Frage führt, ob wir Menschen überhaupt die ‚wahre‘ Realität der Dinge ‚wahrnehmen‘.
Kommen wir noch einmal auf die bildnerische Sprache zurück: Ein gestalterischer Ausgangspunkt Reinhold Adscheids war – bereits zu Zeiten der Analog-Fotografie und Labor-Belichtung – das Zusammenfügen mehrerer sich erweiternder Aufnahmen zu Panoramen. Bei dieser Herangehensweise bleibt der Fotografierende an einer Position und ändert stufenweise seine Blickrichtung. Reinhold Adscheid hatte den Impuls, diesen Ansatz zu invertieren: Was entsteht, wenn ich ein Objekt in gleichmäßigem Abstand kreisförmig fotografierend umschreite, die entstehenden Bilder zu einem zusammenfüge. Dabei erfasse ich über die Ortsveränderung hinaus auch die Zeit, die zwischen den einzelnen Aufnahmen liegt.
Später erweiterte er die Bewegungsabläufe, bewegte sich schnell oder langsam auf einer gedachten Linie parallel zum Objekt. Oder er näherte sich dem Objekt schrittweise zwischen den Einzelbildern, wodurch unterschiedliche Perspektiven erfasst werden.
Für die Mehrfachbelichtung der Einzelbildserien zu einer Gesamtgestalt entwickelte Reinhold Adscheid eigene Prozesse, die es ihm trotz der vielfachen Überlagerung ermöglichen, die Farbtiefe und Leuchtkraft in einer Ausprägung zu erreichen, die seinen Vorstellungen entspricht.
So erreicht Reinhold Adscheid eine hohe formale Komplexität in der Tiefenstruktur, die dennoch durch unmittelbare ästhetischen Oberflächengestalt mit gestalterischen Schönheit den Betrachter bereits auf den ersten Blick gewinnt und ihm in ihrer philosophischen Tiefe zu einer Sichtweise auf sein Sein in der Zeit leitet.
www.reinhold-adscheid.de

Text: ©2016 Klaus Damm

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