09 Nov

Jacob Zöllner / Farbige Transparenz / 16.11. – 28.11.2013

Der Kunst des akademischen Bildhauers Jacob Zöllner geht eine lange tragische Geschichte voraus. Als Geburtskind der ehemaligen DDR war ihm ein Kunststudium verweigert. Ein gescheiteter Fluchtversuch brachte ihn für einige Jahre in das Zuchthauses Brandenburg. In der vollkommenen Isolation einer Arrestzelle waren es ein Stück Seife und eine Zahnpastatube, die ihm erlaubten seine Leidenschaft für die Kunst weiterzuleben.

“Ich fing einfach an, mit der Zahnpastatube an der Seife herumzukratzen.” Aus diesem Versuch entstanden Seifenporträts von Inhaftierten und Zöllners Affinität für die Bildhauerei, bevorzugt in kleinem Format. Vor der Inhaftierung war es hauptsächlich das Zeichnen, mit dem Anspruch an anatomische Genauigkeit und die kraftvolle Lebendigkeit seines Vorbildes Michelangelo.

Nach seinen Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland, war es ihm endlich vergönnt 1981-1988 an der  Hochschule der Künste in Berlin (West) sein Kunststudium zu absolvieren. Er studierte bei Prof. David Evison und Prof. Karlheinz Biederbick, bei dem er 1988 zum Meisterschüler ernannt wurde. Schon als Student hatte er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Pohlmann in Berlin.

Von 1985 bis 2013 nahm er an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben teil, u.a. im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und im Henry-Ford-Museum in Dearborn, USA. 1993 wurde ihm der Thomas-Dachser-Gedenkpreis verliehen. 2008 präsentierte das Archäologische Museum der Martin-Luther-Universität in Halle Zöllners Arbeiten im Rahmen der “Nacht der Wissenschaften” in einer Einzelausstellung. Sie zeigt, wie stark sich der Künstler der Klarheit und Schönheit des antiken Menschenbildes verpflichtet fühlt und ließ seine Skulpturen auf anregende weise mit denen der Antike korrespondieren.

Seinen traditionellen Ansatz, zu dem Meister der Renaissance, des antiken Griechenlands, Ägyptens und die intensive Präsenz römischer Portraitkunst gehören, transportiert er bewusst in die heutige Zeit. Dabei bringt er Materialien wie eingefärbtes Polyesterharz und farbig-transparentes Plexiglas, aber auch Holz, Ton, Bronze und Blattgold zum Einsatz. Die Seife hat er dabei auch nicht vergessen. Deshalb ist in der Ausstellung ein in der Haft entstandenes und von ihm herausgeschmuggeltes Portrait zu sehen.

Grafik: Timo Schlegel

Grafik: Timo Schlegel

Ballspieler, Plexiglasplatten zum Block verklebt und gefeilt

Ballspieler, Plexiglasplatten zum Block verklebt und gefeilt

Bodybuilder - Büste, Bronze

Bodybuilder – Büste, Bronze

Bodybuilder, Plexiglas, verklebt und gefeilt

Bodybuilder, Plexiglas, verklebt und gefeilt

Natalie, Epoxidharz

Natalie, Epoxidharz

Paulus Birker, Ton, teilglasiert

Paulus Birker, Ton, teilglasiert

Paulus Birker, Ton, teilglasiert

Turner an Ringen, Plexiglas

Sitzender, Plexiglas

Sitzender, Plexiglas

Der Eintakter, Seife

Der Eintakter, Seife

 

 

 

 

 

 

 

 

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