16 Jan

Ferdinand Vogel // Faces & Visions // 17.01. – 30.01.2015

2016-01-17 14.11.05

 

Künstler:     Ferdinand Vogel

Vernissage:     17.01.2015 um 19:00 Uhr

Dauer:     17.01. – 30.01.2015

Ferdinand Vogel ist ein Künstler, der aus der klassischen Malerei kommt. So sind ihm die Darstellungen der Moderne, sich mit dem Menschenbild und der menschlichen Figur der Nachkriegskunst auseinanderzusetzen, zutiefst vertraut. Als Ausdruck des Gefühles der Entfremdung und Angst treffen wir in der Malerei des Nachkriegseuropas, hier vor allem in der Malerei Francis Bacons, bereits auf das Phänomen der Fragmentierung des Körpers.

Dieses Phänomen der Fragmentierung von Gesichtern ist eines der vorherrschenden Motive in den Exponaten Ferdinand Vogels. Inspiriert durch die Filme Claude Chabrols finden seine Arbeiten ihren Ausgangspunkt in den Gesichtern der Filme des Nouvelle Vague, die durch ihren Schwarzweiß-Kontrast dominieren. Licht spielt aufgrund der Entwicklung kleinerer lichtempfindlicher Handkameras neben Individualität und Persönlichkeit der Figuren eine große Rolle in den Filmen der 50er und 60er Jahre.

Diese Portraits überträgt Ferdinand Vogel ausgehend von analog gezeichneten Skizzen in Zeichenprogramme. So entwickelt er aus den vorab skizzierten Formen und Farbgerüsten mittels computergestützter Malerei digital abstrakte Bilder, die auf vielen Ebenen Transparenz und Farbtiefen erzeugen, welche mit analogen Maltechniken nicht möglich wären. Diese Techniken ermöglichen dem Künstler, dass sich in einem ständigen Wechselspiel von Zeichenprogramm, Zufall und Kontrolle das Unterbewusste in höchster Bewusstheit entwickelt, verändert und neu kombiniert wird.

So wird ein zunächst realistisches Bild, hier ein Portrait, durch digitale Mittel manipuliert, teilweise zerstörend fragmentiert, um es schlussendlich umfassender und komplexer werden zu lassen. Torsohafte Bruchstücke , die aus der imaginären Einheit eines Gesichtes herausfallen, wirken auf den Betrachter irritierend. Die kühle Rationalität der Konturen lässt das Augenmerk des Betrachters wandern zwischen solchen Bildteilen, in denen sich alles zerstört und verliert und solchen, in denen das Auge wieder Licht und Bekanntes erkennen kann. Das Sehen spannt sich von den Zentren um Auge, Nase und Mund zu den geometrischen Konstrukten des Kopfes, die sich auch mal in einer schwarzen Leere verlieren. Dieses amorph Abgründige, in Szene gesetzt gegenüber kalkuliert konstruierter plastischer Schönheit, trifft den Nerv des empfindsamen Betrachters.

Text: Martina Schleppinghof

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