06 Jan

Finissage “Ortswechsel” von Reinhold Adscheid

 

Finissage:        Mittwoch, 31.01.2018 um 19:00 Uhr

 

Ortswechsel

Reinhold Adscheids Werke sind uns allen bekannt: Von verschiedenen Positionen aus fotografierte Objekte, deren Fotos er zu einem Bild zusammensetzt, “überlagert” beschreibt seine Technik besser. Alle seine Arbeiten haben immer einen hohen Wiedererkennungswert.

http://www.Reinhold-Adscheid.de

Nachdem er mit “Nachtschwärmer” und “TheaterTheater” bereits seriell gearbeitet hat, wendet er sich nun einem eher alltäglichen Begriff zu:

Ortswechsel

Welchen Bezug mag Reinhold Adscheid hier herstellen? Zuvorderst fällt uns sofort seine spezielle Technik ein, mit der er seine Werke erzeugt: Individuelle Fotos eines Objektes von individuellen Positionen aufgenommen und dann alle diese Fotos zu einem Bild zusammensetzt. Hier sind schon, rein wörtlich, Ortswechsel zu finden. Denn nur durch einen Ortswechsel ist es möglich, ein individuelles Foto von einer individuellen Position aufzunehmen. Reinhold Adscheid untersucht den Begriff allerdings noch weitergehender. Doch wie?
Als erstes ist die große Anzahl an Leuchttürmen auffallend, die wir hier sehen können. Große Leuchttürme, kleine Leuchttürme. Sehr konkret erscheinende Leuchttürme und auch sehr verträumt erscheinende Leuchttürme. Natürlich musste Reinhold Adscheid zur Erstellung dieser Werke um diese Leuchttürme herum gehen, um sie aus verschiedenen Richtungen abzulichten und mit seiner von ihm entwickelten speziellen Technik zu dem zu machen, was wir hier sehen. Doch Leuchttürme sind nicht nur Landmarken, sie haben auch eine Funktion. Mit ihren Lichtzeichen zeigen sie Schiffen, die des Nachts auf dem Meer unterwegs sind, an, wo eine Gefahrenstelle, wie eine Untiefe oder ein Riff sind. Oder sie zeigen eine Einfahrt in einen Hafen ein. Sie können also eine Warnung sein, genauso wie ein Hinweis, ein Richtungsgeber. Einnmal: Bleib weg, ein anderes Mal aber: Genau hierhin bitte. Aber Leuchttürme machten nicht nur das. Mittels zweier Leuchttürme konnten die Seefahrer früherer Zeiten ihre eigene Positionen bestimmen (Sie können dies auch noch heute so machen, dank moderner GPS-Ortung ist das aber nicht mehr nötig.) Hier kommen wir Reinhold Adscheids Untersuchungen aber dann auf die Spur: Nur dank der Leuchttürme war zu früheren Zeiten des Nachts eine Seefahrt im Küstenbereich überhaupt gefahrlos möglich. Dank dieser fixen Punkte konnten die Seeleute navigieren, sprich ihre Reise war auf diese Leuchttürme angewiesen. Die Seeleute wollten nicht weg von einem oder hin zu irgendeinem speziellen Leuchtturm. Sie hangelten sich im Küstenbereich von einem Leuchtturm zum Nächsten. Sie fuhren zur See. Und eine Reise, sie werden es schon selber geschlussfolgert haben, ist nichts anderes als eine Serie von kontinuierlichen Ortswechseln.

Jetzt erschließt sich uns der möglicherweise volle Umfang seiner Untersuchung: Jede Reise bedarf der Orientierung. Nur wenn wir uns immer wieder unserer Position versichern können, wird aus unserer Reise kein Taumeln, sondern eine zielgerichtete Fahrt zu unseren Wünschen. Reinhold Adscheid ist also nicht um die Leuchttürme sinn- und willenlos herum getorkelt, hat sich auch nicht einmal von einem Leuchtturm anziehen lassen, oder, weil es ein Warnleuchtturm ist, von ihm entfernt, sondern sein “Fotografentanz”, wie er selber den Eindruck seines Tuns beschreibt, wenn wir ihn beim Fotografieren für eines seiner Werke beobachten würden, ist auch immer der Erreichung eines Ziel geschuldet. Immer sind es kleine Ortswechsel, die Dank irgendwelcher Fixpunkte zu einer kontrollierten und gerichteten Reise werden. Denn nicht nur die physische Reise wird auf diese Weise zielführend, auch die innerer Reise, die psychische Entwicklung wird uns nur so zu unserem Ziel führen.

Für uns heutigen Reisenden ist GPS das, was für den Seeman von früher der Leuchtturm gewesen ist. Leuchttürme sind notwendig, wenn wir Ortswechsel vornehmen wollen. Die heute ihres Sinns beraubten Leuchttürme mögen uns als Mahnung dienen, bei allen Veränderungen, physisch wie psychisch, immer einen oder zwei, oder noch mehr Leuchttürme zu suchen, die uns führen können: Bei unseren Ortswechseln.

27 Dez

Vernissage “Ortswechsel” von Reinhold Adscheid

Vernissage:        Samstag, 06.01.2018 um 19:00 Uhr

Dauer:                    06.01.2018 – 30.01.2018

Finissage:            Mittwoch, 30.01.2018 um 19:00 Uhr

Ortswechsel

Reinhold Adscheids Werke sind uns allen bekannt: Von verschiedenen Positionen aus fotografierte Objekte, deren Fotos er zu einem Bild zusammensetzt, “überlagert” beschreibt seine Technik besser. Alle seine Arbeiten haben immer einen hohen Wiedererkennungswert.

http://www.Reinhold-Adscheid.de

Nachdem er mit “Nachtschwärmer” und “TheaterTheater” bereits seriell gearbeitet hat, wendet er sich nun einem eher alltäglichen Begriff zu:

Ortswechsel

Welchen Bezug mag Reinhold Adscheid hier herstellen? Zuvorderst fällt uns sofort seine spezielle Technik ein, mit der er seine Werke erzeugt: Individuelle Fotos eines Objektes von individuellen Positionen aufgenommen und dann alle diese Fotos zu einem Bild zusammensetzt. Hier sind schon, rein wörtlich, Ortswechsel zu finden. Denn nur durch einen Ortswechsel ist es möglich, ein individuelles Foto von einer individuellen Position aufzunehmen. Reinhold Adscheid untersucht den Begriff allerdings noch weitergehender. Doch wie?
Als erstes ist die große Anzahl an Leuchttürmen auffallend, die wir hier sehen können. Große Leuchttürme, kleine Leuchttürme. Sehr konkret erscheinende Leuchttürme und auch sehr verträumt erscheinende Leuchttürme. Natürlich musste Reinhold Adscheid zur Erstellung dieser Werke um diese Leuchttürme herum gehen, um sie aus verschiedenen Richtungen abzulichten und mit seiner von ihm entwickelten speziellen Technik zu dem zu machen, was wir hier sehen. Doch Leuchttürme sind nicht nur Landmarken, sie haben auch eine Funktion. Mit ihren Lichtzeichen zeigen sie Schiffen, die des Nachts auf dem Meer unterwegs sind, an, wo eine Gefahrenstelle, wie eine Untiefe oder ein Riff sind. Oder sie zeigen eine Einfahrt in einen Hafen ein. Sie können also eine Warnung sein, genauso wie ein Hinweis, ein Richtungsgeber. Einnmal: Bleib weg, ein anderes Mal aber: Genau hierhin bitte. Aber Leuchttürme machten nicht nur das. Mittels zweier Leuchttürme konnten die Seefahrer früherer Zeiten ihre eigene Positionen bestimmen (Sie können dies auch noch heute so machen, dank moderner GPS-Ortung ist das aber nicht mehr nötig.) Hier kommen wir Reinhold Adscheids Untersuchungen aber dann auf die Spur: Nur dank der Leuchttürme war zu früheren Zeiten des Nachts eine Seefahrt im Küstenbereich überhaupt gefahrlos möglich. Dank dieser fixen Punkte konnten die Seeleute navigieren, sprich ihre Reise war auf diese Leuchttürme angewiesen. Die Seeleute wollten nicht weg von einem oder hin zu irgendeinem speziellen Leuchtturm. Sie hangelten sich im Küstenbereich von einem Leuchtturm zum Nächsten. Sie fuhren zur See. Und eine Reise, sie werden es schon selber geschlussfolgert haben, ist nichts anderes als eine Serie von kontinuierlichen Ortswechseln.

Jetzt erschließt sich uns der möglicherweise volle Umfang seiner Untersuchung: Jede Reise bedarf der Orientierung. Nur wenn wir uns immer wieder unserer Position versichern können, wird aus unserer Reise kein Taumeln, sondern eine zielgerichtete Fahrt zu unseren Wünschen. Reinhold Adscheid ist also nicht um die Leuchttürme sinn- und willenlos herum getorkelt, hat sich auch nicht einmal von einem Leuchtturm anziehen lassen, oder, weil es ein Warnleuchtturm ist, von ihm entfernt, sondern sein “Fotografentanz”, wie er selber den Eindruck seines Tuns beschreibt, wenn wir ihn beim Fotografieren für eines seiner Werke beobachten würden, ist auch immer der Erreichung eines Ziel geschuldet. Immer sind es kleine Ortswechsel, die Dank irgendwelcher Fixpunkte zu einer kontrollierten und gerichteten Reise werden. Denn nicht nur die physische Reise wird auf diese Weise zielführend, auch die innerer Reise, die psychische Entwicklung wird uns nur so zu unserem Ziel führen.

Für uns heutigen Reisenden ist GPS das, was für den Seeman von früher der Leuchtturm gewesen ist. Leuchttürme sind notwendig, wenn wir Ortswechsel vornehmen wollen. Die heute ihres Sinns beraubten Leuchttürme mögen uns als Mahnung dienen, bei allen Veränderungen, physisch wie psychisch, immer einen oder zwei, oder noch mehr Leuchttürme zu suchen, die uns führen können: Bei unseren Ortswechseln.

10 Feb

Reinhold Adscheid / Transpositionen / 20.02. – 09.03.2016

adscheid februar front

Vernissage:     20.02.2016 um 19:00 Uhr

Finissage:     09.03.2016 um 19:00 Uhr

Dauer:     20.02. – 09.03.2016

Die vierte Dimension
Unfotografierbare Ansichten aus fotografierter Zeit
„Wie sähe die Welt aus, wenn wir sie aus verschiedenen Positionen in Zeit und/oder Raum gleichzeitig sehen könnten?“
Reinhold Adscheid beantwortet diese Frage mit einer Gestaltungssprache, die den Betrachter in eine „vier-dimensionale Raum-Zeit-Blase“ führt: Nicht die Abbildung eines räumlichen Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt wird in seinem Schaffen zum Kunstwerk. Sondern die Zeiterfahrung in der dynamischen Integration wechselnder Perspektiven des Objektes, dichte Zeitstreifen, die – zu einem virtuell-realen Irrgarten verbunden – den Betrachter einen Weg zu seinem Erleben finden lassen.
Es sind keine poetischen Bilder, auch keine Bilder, die Geschichten erzählen, sondern es sind Erlebnisräume, die in ihren Zeitsprüngen Räume schaffen, welche die Menschen dazu öffnen, sich ihrer eigenen Geschichten bewusst zu werden und von diesen zu erzählen.
In Reinhold Adscheids Werk fließt philosophische Reflektion ebenso ein wie sein Hintergrund als promovierter Teilchenphysiker, der sich bereits als Jugendlicher mit der speziellen Relativitätstheorie auseinandersetzte. Eine Vielheit von Gleichzeit-Zuständen aus unterschiedlichen Perspektiven ist für die meisten Menschen unvorstellbar: Wie kann ich beispielsweise einen Baum von vorne und von hinten gleichzeitig sehen? Dennoch bewerte ich vor meinem Bildungshintergrund Wahrgenommenes, als ob solche Gleichzeitigkeit möglich sei: „Welchen Einfluss hat dieser Bildungshintergrund beim Betrachten der Realität?“
Reinhold Adscheid pointiert diese Fragestellung in seinen aktuellen Serien über das Bildgeschehen hinaus auch im Umgang mit Wortgebilden. „Hasna-Hohhcuas“ als eine vieler möglicher Buchstaben-Permutationen: Welche Entfernung meines Bildungshintergrundes zu dem Begriff braucht es, um daraus nicht die Urform zu denken, sondern irritiert nur eine semantisch nicht besetzte Buchstabenfolge zu erkennen? Warum kann ich Dinge erkennen, obwohl sie bildlich wie textuell so sehr „verzerrt“ sind. „Wenn ich also diesen Text zu einer ‚richtigen‘ Schreibweise erkennen kann, wenn ich also dieses verzerrte Bild des Hauses zu dem Hansa-Hochhaus machen kann, warum stelle ich nicht gleich in Frage, ob das Haus denn wirklich so aussieht, wie ich es ‚sehe‘?“. Was letztlich zu der Frage führt, ob wir Menschen überhaupt die ‚wahre‘ Realität der Dinge ‚wahrnehmen‘.
Kommen wir noch einmal auf die bildnerische Sprache zurück: Ein gestalterischer Ausgangspunkt Reinhold Adscheids war – bereits zu Zeiten der Analog-Fotografie und Labor-Belichtung – das Zusammenfügen mehrerer sich erweiternder Aufnahmen zu Panoramen. Bei dieser Herangehensweise bleibt der Fotografierende an einer Position und ändert stufenweise seine Blickrichtung. Reinhold Adscheid hatte den Impuls, diesen Ansatz zu invertieren: Was entsteht, wenn ich ein Objekt in gleichmäßigem Abstand kreisförmig fotografierend umschreite, die entstehenden Bilder zu einem zusammenfüge. Dabei erfasse ich über die Ortsveränderung hinaus auch die Zeit, die zwischen den einzelnen Aufnahmen liegt.
Später erweiterte er die Bewegungsabläufe, bewegte sich schnell oder langsam auf einer gedachten Linie parallel zum Objekt. Oder er näherte sich dem Objekt schrittweise zwischen den Einzelbildern, wodurch unterschiedliche Perspektiven erfasst werden.
Für die Mehrfachbelichtung der Einzelbildserien zu einer Gesamtgestalt entwickelte Reinhold Adscheid eigene Prozesse, die es ihm trotz der vielfachen Überlagerung ermöglichen, die Farbtiefe und Leuchtkraft in einer Ausprägung zu erreichen, die seinen Vorstellungen entspricht.
So erreicht Reinhold Adscheid eine hohe formale Komplexität in der Tiefenstruktur, die dennoch durch unmittelbare ästhetischen Oberflächengestalt mit gestalterischen Schönheit den Betrachter bereits auf den ersten Blick gewinnt und ihm in ihrer philosophischen Tiefe zu einer Sichtweise auf sein Sein in der Zeit leitet.
www.reinhold-adscheid.de

Text: ©2016 Klaus Damm

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